Loslassen – Warum wir genau das festhalten, was uns am meisten verletzt

Es gibt wohl kaum ein Wort, das Menschen im Liebeskummer, im Dualseelenprozess oder in einer schmerzhaften Verbindung so sehr fürchten wie das Wort „Loslassen“. Allein dieser Begriff löst in vielen Menschen Angst aus. Sie verbinden ihn mit Aufgeben, Scheitern oder damit, einen geliebten Menschen für immer zu verlieren. Doch genau an dieser Stelle beginnt bereits das größte Missverständnis, denn Loslassen bedeutet nicht, einen Menschen aus seinem Herzen zu streichen. Loslassen bedeutet nicht, jemanden nicht mehr zu lieben, und es bedeutet schon gar nicht, die Hoffnung zu verlieren. Vielmehr bedeutet Loslassen, sich selbst wiederzufinden.

Viele Menschen befinden sich über Monate oder sogar Jahre in einem Zustand des Wartens. Sie warten auf eine Nachricht, auf einen Anruf, auf ein Zeichen oder darauf, dass der andere Mensch plötzlich erkennt, wie stark die Verbindung tatsächlich ist. Dabei vergeht Tag für Tag. Die Gedanken kreisen ständig um denselben Menschen. Morgens ist er der erste Gedanke und abends der letzte. Das Handy wird kontrolliert, soziale Medien werden beobachtet, Gespräche analysiert und jede Kleinigkeit bekommt plötzlich eine enorme Bedeutung. Die eigene Welt beginnt sich immer mehr um einen einzigen Menschen zu drehen.

Anfangs erscheint dieses Verhalten noch wie Liebe. Doch mit der Zeit verwandelt sich diese Liebe häufig in Angst. Die Angst, verlassen zu werden. Die Angst, nicht gut genug zu sein. Die Angst, ersetzt zu werden. Die Angst, nicht geliebt zu werden. Und genau diese Ängste führen dazu, dass wir immer stärker festhalten. Je mehr sich der andere zurückzieht, desto mehr möchten wir kämpfen. Je größer die Distanz wird, desto mehr suchen wir nach Antworten. Dabei bemerken viele Menschen gar nicht, dass sie sich selbst Stück für Stück verlieren.

Das Leben beginnt stillzustehen. Treffen mit Freunden werden abgesagt, Hobbys verlieren ihre Bedeutung und die eigene Lebensfreude verschwindet langsam. Die Stimmung hängt plötzlich davon ab, ob eine Nachricht kommt oder nicht. Ein einzelner Satz kann über den gesamten Tag entscheiden. Eine ausbleibende Reaktion löst Traurigkeit, Wut oder Angst aus. Die Kontrolle über das eigene Leben wird unbewusst an einen anderen Menschen abgegeben.

Genau hier beginnt die eigentliche Lernaufgabe. Viele Menschen glauben, die Aufgabe bestünde darin, den anderen Menschen zurückzubekommen. Sie glauben, sie müssten noch verständnisvoller, geduldiger oder liebevoller sein. Doch oftmals zeigt sich, dass die wahre Aufgabe nicht im Außen liegt, sondern tief im eigenen Inneren. Denn Verlustangst zeigt uns selten den anderen Menschen. Sie zeigt uns unsere eigenen Wunden. Sie zeigt uns die alten Verletzungen, die wir vielleicht schon seit Jahren mit uns tragen. Sie zeigt uns die Angst vor Ablehnung, vor Einsamkeit oder davor, nicht liebenswert zu sein.

Gerade deshalb fällt Loslassen so schwer. Denn wer loslässt, muss sich plötzlich mit sich selbst beschäftigen. Die Ablenkung durch den anderen Menschen fällt weg. Die ständigen Gedanken, die Hoffnung und die Sehnsucht verlieren langsam ihre Macht. Viele Menschen beschreiben diesen Abschnitt zunächst als Leere. Doch genau diese Leere ist häufig der Beginn der Heilung. Denn dort, wo wir nicht mehr ständig nach außen schauen, beginnen wir zum ersten Mal wieder nach innen zu schauen.

Selbstliebe ist dabei eine der wichtigsten Lernaufgaben überhaupt. Viele Menschen sagen sehr schnell: „Ich liebe mich doch selbst.“ Doch echte Selbstliebe zeigt sich nicht in Worten, sondern im täglichen Handeln. Sie zeigt sich darin, wie wir mit uns selbst sprechen. Sie zeigt sich darin, welche Grenzen wir setzen. Sie zeigt sich darin, ob wir unsere Bedürfnisse ernst nehmen oder immer wieder zurückstellen. Wer sich selbst wirklich liebt, macht sein eigenes Glück nicht dauerhaft von einem anderen Menschen abhängig.

Oftmals zeigt sich mangelnde Selbstliebe gerade im Festhalten. Wir halten an Menschen fest, die sich zurückziehen. Wir warten auf Nachrichten, die nicht kommen. Wir hoffen auf Veränderungen, während unser eigenes Leben immer weiter stillsteht. Dabei vergessen wir, dass auch wir selbst Bedürfnisse, Wünsche und Träume haben. Wir vergessen unsere Hobbys, unsere Freunde und manchmal sogar unsere eigene Persönlichkeit.

Loslassen bedeutet deshalb nicht, einen Menschen aufzugeben. Loslassen bedeutet vielmehr, die Kontrolle aufzugeben. Es bedeutet, nicht mehr jede Handlung analysieren zu müssen. Es bedeutet, nicht mehr jede Nachricht zu erwarten. Es bedeutet, nicht mehr ständig nach Antworten im Außen zu suchen. Stattdessen beginnt der Blick wieder auf das eigene Leben zu fallen.

Viele Menschen erleben genau an diesem Punkt eine große Veränderung. Sie beginnen wieder zu lachen. Sie entdecken alte Hobbys neu. Sie kümmern sich wieder um ihre Gesundheit, ihre Freunde oder ihre Träume. Sie spüren zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ihre eigene Kraft. Und genau hier geschieht etwas Interessantes: Je weniger wir versuchen, den anderen festzuhalten, desto mehr kommen wir wieder bei uns selbst an.

Natürlich geschieht das nicht über Nacht. Heilung verläuft selten geradlinig. Es gibt gute Tage und schlechte Tage. Es gibt Rückschritte, Zweifel und Momente der Sehnsucht. Doch jeder einzelne Schritt bringt uns näher zu uns selbst. Jeder Schmerz zeigt uns etwas über unsere eigenen Themen. Jede Träne trägt ein Stück Heilung in sich.

Vielleicht besteht die größte Aufgabe des Loslassens deshalb gar nicht darin, einen Menschen gehen zu lassen. Vielleicht besteht sie darin, die Angst loszulassen. Die Kontrolle loszulassen. Die Erwartungen loszulassen und sich selbst wieder die wichtigste Person im eigenen Leben werden zu lassen.

Denn am Ende des Weges wartet nicht der Verlust. Am Ende des Weges wartet die eigene Stärke. Dort beginnt die Selbstliebe. Dort beginnt die Freiheit. Und vielleicht erkennen wir eines Tages, dass das Loslassen niemals das Ende war, sondern der Beginn einer vollkommen neuen Beziehung zu uns selbst.

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Autor: Liebeguteseele (Seelenpartner-, Dualseelen-, Zwillingsseelen- und Karmaseelen- Expertin)
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